Renault Espace – die fünfte Generation: SUV, Van, Top-Modell?

On 28. September 2014 by Detlef Rochow

Nächste Woche präsentiert Renault die im letzten Jahr auf der IAA angekündigte 5. Generation des Espace. Die bisherigen Besprechungen sind wenig euphorisch.

© Foto Renault. Die fünfte Generation der französischen Großraumlimousine feiert in der kommenden Woche beim Autosalon in Paris Weltpremiere. Aber außer einer im Fahrzeugboden versenkbaren hinteren Sitzreihe wird der Neue kaum Variationsmöglichkeiten bieten. Und über das Raumvolumen der Vorgängermodelle verfügt er auch nicht mehr. Ein SUV – ein Van – eine Großraumlimousine, das neue Topmodell von Renault? Die nach zwölfjähriger Pause neue Generation des Espace soll viele Fliegen mit einem Modell (er)schlagen.

Ich werde in Paris nicht dabei sein, genauso wenig wie mein Freund Heinrich. 1984 hatte er sich eines der ersten Exemplare des Renault Espace gesichert: Manchmal war es schon nicht mehr zum Aushalten, wenn er unermüdlich und ungefragt mit ins euphorische gesteigerter Begeisterung die Vorzüge seines Renault Espace erläuterte – und die waren zahlreich. Der Espace stellte eine neue Kategorie von Auto dar: die Großraumlimousine.

© Foto Renault. Der – damals – futuristische Innenraum des Original-Espace von 1984

Spröde neutral schreibt Wikipedia: „Der französische Autohersteller Matra entwickelte in den Jahren 1978 bis 1982 eine Großraumlimousine und brachte sie 1984 zusammen mit dem Hersteller Renault als Renault Espace (= Raum) zur Serienreife. (…) Infolge von Liquiditätsproblemen von Talbot-Matra übernahm Renault den fast fertigen Van. Renault behielt den ursprünglichen Entwurf jedoch nahezu unverändert bei, weswegen sich in der Urversion des Espace noch zahlreiche Teile aus dem Simca- Modellprogramm finden, etwa die Scheinwerfer des Simca 1307, die trotz des Markenwechsels beibehalten wurden.“
Schon wenn ich Simca lese, leuchten meine Augen und ich denke an eine Reise in die Türkei mit einem Simca 1301, die einen Extra-Artikel verdient hätte. Doch zurück zu Wikipedia und zum Renault Espace der 1. Generation: „Die Marktfähigkeit für diese Art von Automobil wurde zunächst oft in Frage gestellt, erwies sich im Nachgang jedoch als kommerzieller Erfolg. Für das Design verantwortlich war Antonis Volanis.“

Der Renault Espace 1984 der ersten Generation: ein mutiger Entwurf
Der Espace damals war 4,25 Meter lang – und damit kürzer als heutige Kompaktklasse-Wagen; zum Beispiel ist der VW Golf mit 4,24 Meter einen Zentimeter kürzer. Der Espace wurde aber mit bis zu sieben Sitzen angeboten. Und er verfügte über einen großen, kastenförmigen Laderaum – wenn man die Rücksitze ausbaute. Das Auto wog gerade mal 1200 Kilogramm, was an der neuartigen Konstruktion lag, die aus einem verzinkten Stahlrohrchassis mit Polyesterkarosserie bestand.
Der Zeitgeist und die feige Kleinkrämerei der Führungsriege auf der Suche nach der Eiermilchlegenden Wollmilchsau haben die Technik-Ikone in der 5. Generation eingeholt. Bei der Präsentation der Studie – Initiale Paris 2013 auf der IAA in Frankfurt – bildete noch das Dach einen spektakulären Akzent: der Stadtplan von Paris stand Pate für das tragende Konzept. Das war es dann aber auch und wird im offiziellen Video nicht einmal erwähnt.

Renault Initiale Concept auf der IAA 2013

Drei Generationen Espace – drei Großraumlimousinen, die sich sehen lassen konnten
Zwischen 1984 und 2002 – der Zeitraum der ersten drei Generationen des Espace – wurden rund 870.000 Exemplare gefertigt bei unveränderter Bauweise. Und jetzt folgt die Generation 5.

Mitsubishi hatte mit dem Space Wagon, Nissan mit seinem Prärie und Honda mit dem Civic Shuttle bereits 1983 Großraumlimousinen auf den Markt gebracht, Europa wartete auf Renault und den Espace. Auch damals war das Risiko, das heute keiner mehr eingehen mag, groß: Ein solches Auto überhaupt auf die Straße zu bringen, war mutig.

Die anfängliche Skepsis der Kundschaft zeigen folgende Zahlen: Bei Renault gingen nur neun Bestellungen im ersten Monat ein nach Auslieferungsstart ein: Da möchte man nicht in der Haut von Entwickler, Marketingleiter und Vertrieb stecken. Danach stieg die Nachfrage deutlich – ein neues Fahrzeugsegment entwickelte sich, dem später Chrysler, VW und Mercedes mit ihren Modellen Voyager (ab 1988), Sharan (ab 1995) oder die R-Klasse von Mercedes (ab 2005) folgten.

Die vierte Generation des Espace, die 2002 auf den Markt kam, wurde wieder mit einer Ganzstahlkarosserie gefertigt und war damit rund 600 Kilogramm schwerer als die ersten Modelle. Zudem betrug die Länge nun 4,66 Meter. Ein Multifunktionsmobil mit bis zu sieben Einzelsitzen blieb der Espace dennoch. Und dieses Modell wird, mittlerweile immer wieder geringfügig modernisiert, bis heute gebaut.

Jürgen Pander von Spiegel online vermutet: „Dass zwischen der vierten und fünften Generation des Espace fast zwölf Jahre vergangen sind, liegt offenbar daran, dass Renault zeitweise auf ein Nachfolgemodell verzichten wollte. Spätestens seit dem vergangenen Herbst aber war klar, dass es einen neuen Espace geben würde. (…) Das Wort “Großraumlimousine” fällt kein einziges Mal, auch von “Van” ist nicht die Rede. Renault kündigt die neue Generation des Espace stattdessen als “Oberklassemodell” mit “ausgeprägtem Crossover-Charakter” an. Was man darunter zu verstehen hat? Das neue Modell macht einfach ein bisschen auf SUV: mit üppig ausmodellierten Radhäusern, einer bulligen Karosserie mit kantigem Vorbau und einer vergleichsweise schnittig nach hinten gezogenen Dachlinie.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Foto Renault. Der neue Espace macht auch von Hinten eine gute Figur

Das leuchtet ein, zeigt der Blick auf die Marktdaten, dass Renault 2013 nur noch knapp 1300 Espace verkauft hatte gegenüber gut 3000 fünf Jahre zuvor: Der Markt für SUV`s boomt unverändert, „Großraumlimousinen“ verlieren. Der neue Espace soll die Antwort von Renault sein. Und genau damit dürfte das Modell deutlich überfrachtet worden sein. Ein bisschen von allem ist wahrscheinlich einfach zu wenig, denn Renault gibt mit dem neuen Auto das bisherige Konzept eines wirklichen Vielzweckfahrzeugs und Großraumlimousine auf.

Und mein Freund Heinrich? Er fährt inzwischen einen Citroen Xsara Picasso. Und natürlich nicht irgend einen: Es ist der letzte, der in Barcelona mit Panorama-Schiebedach vom Band lief. Der Picasso basiert auf einer Studie von Volanis.
Antonis Volanis, geboren 1948 in Thessaloniki, ist ein griechischer Industrie-Designer und war seit „1968 vor allem für französische Hersteller tätig. Er entwarf für Peugeot und für Matra das Design des Bagheera, Rancho und Murena – und einige Stilikonen für Renault.” Das erzählt mir Heinrich letzte Woche, als wir in Griechenland ein paar Tage Urlaub machten.

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