Der Renault Frégate – Reine Harmonie verbindet sich mit moderner Konstruktion

On 5. August 2012 by Thomas Less

Die zehn Jahre des Renault Frégate (1951 – 1960): Der Renault Frégate wurde erstmals auf der Automobilausstellung 1950 in Paris vorgestellt, wir sehen aber die Präsentation auf dem Automobilsalon am 8. März ein Jahr später in Genf  als eigentliche Premiere – immer noch Monate vor der Serienfertigung im Herbst.

Sechs Jahre nach Kriegsende konnten sich nur wenige ein Auto leisten. Im Dorf auf dem Lande hatten vielleicht der Arzt, der Tierarzt, der Pfarrer und ein paar Handwerker oder Fabrikanten ein Auto, alle anderen fuhren Motorrad oder Fahrrad. Sechs Jahre später, 1957, wurde auf der 38. IAA in Frankfurt am Main zum ersten Mal der NSU Prinz präsentiert und – ebenfalls brandneu – der Messerschmitt-Kabinenroller „Tiger“ FMR TG 500. So lagen in den 50er Jahren Kleinwagen in Bereich des Möglichen und Mittelklassewagen standen im Fokus des Interesses.

Renault Fregate - © Croquant / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0 & GFDL

Renault Frégate © Croquant / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0 & GFDL

Da naturgemäß echte Neuigkeiten bei europäischen Serienfahrzeugen kaum zu erwarten waren, richtete sich 1951 der Blick nach Amerika, aber nicht auf die Traumautos und Straßenkreuzer. Was konnte man hier schon mit einen 182 PS starken Tourenwaren von Chrysler anfangen? Sondern die sogenannten “kleinen” Amerikaner: Fahrzeuge, die mit für amerikanische Verhältnisse wenig PS ausgestattet und bescheiden in den Abmessungen waren, für europäische Begriffe aber nach Leistung, Preis und Haltungskosten in den Bereich der oberen Mittelklasse gehörten.

Es war die Zeit der Röhrenradios und wenn man mit dem “magischen Auge” einen der wenigen Sender sauber abgestimmt hatte, konnte man “Pack die Badehose ein” oder “Too Young” von Nat King Cole hören. Im Kino lief “Die Sünderin”, der mit Hildegard Knef in einer Nacktszene für Skandale sorgte. Hugo Koblet gewann die Tour de France. Benzin war mit rund 56 Pfennig pro Liter günstig und die Autoindustrie wuchs mit über 20 Prozent pro Jahr, dank des einsetzenden Aufschwungs.

400 Aussteller teilten sich 1951 die Fläche im Palais des Expositions in Genf – zu den Erfolgstypen Renault 4, Citroen, Peugeot und Panhard sollte sich ein neuer hinzugesellen: „Der Renault Frégate, ein vierzylindriger Zweiliterwagen mit modernsten Linien und respektablen technischen Daten, dessen Prototyp im Zentrum des Salons auf einer Drehscheibe rotierte. Der Frégate soll im Herbst in Serie gehen.“ So beschrieb der Spiegel damals den Auftritt. Der Reporter der Automobil Revue, die älteste Autozeitung Europas, geriet sofort ins Schwärmen: “Reine Harmonie der Linienführung, Gleichgewicht der Formen, vernünftige, moderne Konstruktion und reiche Innendimensionen”. Daneben verblassten andere Salon-Neuheiten.

Der Frégate im Feld der Wettbewerber:

HerstellerLand KAISERUSA STANDARDEngland AUSTINEngland RENAULTFrankreich MERCEDESDeutschland
Typ Henry J 5134 Vanguard A 70 Frégate  S 170 *
Zylinder 4 4 4 4 n. vgl.
Hubraum 2,1 l 2,0 l 2,1 l 1,9l 1,7 l
PS 69 69 69 60 52
Max. km/h 125 km/h 130 km/h 130 km/h 130 km/h 120 km/h
Preis CHF 9950 9450 11450 Ca. 10000** 12700

* Nebenbei: Der Mercedes 170 S war das erste mit „S“ bezeichnete Fahrzeug von Mercedes-Benz und wurde häufig als Direktionswagen genutzt.

** Der Frégate hat über die Jahre nicht an Wert eingebüßt – immer noch findet man ihn zu Preisen zwischen 5 – 15.000 Euro

Nach dem holprigen Start – er kam zwar 1950 in Paris gut an, dennoch sahen die Konstrukteure Verbesserungsbedarf –, lief die Serienfertigung schließlich im Herbst 1951 im neuen Werk von Flins an. Der erste Kunde, Baron Surcouf erhält am 22. November 1951 die Fahrzeugschlüssel von Monsieur Grandjean, dem damaligen Direktor der R.N.U.R., der Régie Nationale des Usines Renault. Und begleitet von fünf weiteren Frégates, fährt Baron Surcouf nach St. Malo, wo ihm ein großer Empfang bereitet wird.  Bis 1957 entstehen zwei Modellreihen: Die Limousinen Affaires und Amiral – technisch verbessert bei unangetasteter Linienführung.

Der Domaine, ein Kombi kommt 1956 auf den Markt: Nachdem bereits zwei Jahre zuvor erste Prototypen auf den Straßen fuhren, wurde der Wagen im Oktober 1955 auf dem Pariser Salon der Öffentlichkeit vorgestellt. „Das Auto ist ein gelungener Wurf! Geräumig, groß, komfortabel und elegant! Die Straßenlage ist für die Zeit außergewöhnlich gut, die Bremsanlage ebenfalls. Natürlich müssen noch ein paar Kinderkrankheiten ausgemerzt werden; das Getriebe lässt sich nicht sehr präzise schalten, die Leistung des Motors ist im Verhältnis zum Fahrzeuggewicht (noch) nicht ausreichend.“ Nachzulesen unter: http://www.renault-fregate.de/Der Kombi wird für Renault ein großer Erfolg.

Als Meilenstein in der eine Dekade dauernden  Bauphase gilt das Jahr 1957. Der Frégate bekommt einen neuen Motor, den „Etendard“. Er erhielt dank größerer Bohrung und höherer Verdichtung eine Hubraumvergrößerung auf annähernd 2,2 Liter und schaffte so die 77 PS spielend. Neben dem Affaires bot Renault jetzt auch die höher positionierte Version „Grand Pavois“ mit fast schon luxuriöser Ausstattung an.

Als weiteren Meilenstein kann ohne Zweifel die Einführung des Automatikgetriebes 1958 gesehen werden. Die Dreigangautomatik, „Transfluide“ genannt, ist zuerst im Kombi Domaine Manoir erhältlich, dann aber auch in den Limousinen. Der Fahrer hatte zum Schalten einen Hebel am Lenkrad, die Kupplung wurde elektromagnetisch gesteuer. Die drei  Gänge hießen E für Exceptionel, das stand also für außergewöhnlich, M wie Montagne, Gebirge. und VR für Ville-Route, für die Fahrt in der Stadt und auf den Landstraßen. Erst zwei Jahre später erhält das Getriebe endlich 4 vollsynchronisierte Gänge und macht den Wagen zu einem der Besten seiner Zeit. Zu spät. Im April 1960 stellte Renault nach über 180.000 gebauten Fahrzeugen ein.

Nachtrag: In den zehn Jahren seines Bestehens  wurde der Renault Frégate als Limousine, Kombi, Coupé und Cabriolet gebaut. Dem Cabriolets ist wenig Erfolg beschieden: Das Frégate Cabriolet Ghia wurde in Stahlblech und Glasfaser gebaut: zu unrentabel beide Varianten. Pichon-Parat entwickelte ebenfalls eine Cabrio-Version: Es entstand ein Einzelstück. Den größten Erfolg war der Entwicklung von Mignon & Billebault beschieden: es wurden drei Fahrzeuge fertig gestellt.

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