Trendfarbe Braun legt kräftig zu: Vom dunken Honig bis zu Schokolade

On 31. Juli 2012 by Detlef Rochow

Ignorieren geht nicht mehr – die Zahlen sprechen eine zu deutliche Sprache: Braun ist im Kommen und das mit Macht. Vorhergesehen hat dies bereits vor acht Jahren der Farbhersteller Dupont. Damals meldete die Autobild: „Die weltweit meist gewählte Autofarbe war auch 2004 wieder einmal Silber.“ Und weiter: „Aber nach Studien des Lackproduzenten Dupont wird sich die Kaufentscheidung zu gedeckten Autofarben langfristig ändern. Durch neue Lackiermethoden werde es eine Rückkehr zu intensiven, aber nicht „schreienden“ Farben wie Braun, Grün, Rot und sogar Gelb geben.“

Dupont hat Recht behalten: Die aktuellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts für Neuzulassungen für das erste Quartal 2012 besagen: Zwar vereinen Schwarz (31 Prozent), Grau und Silber (zusammen ebenfalls fast 31 Prozent) und Weiß (13 Prozent) – nebenbei seit einigen Jahren im Kommen – zusammen 75 Prozent, aber auf Platz 5 findet sich schon Braun. Und das Schlimmste: Innerhalb eines Jahres stieg der Anteil braun lackierter Fahrzeuge bei den Neuzulassungen von 3,6 auf 6,0 Prozent an – mehr Zuwachs hat keine Farbe.

Mögen wir braune Autos? Nein und nochmals nein! Und dabei sind wir eigentlich in guter Gesellschaft: Männlein wie Weiblein lieben – wenn auch mit unterschiedlich starker Ausprägung – Blau, Rot, Grün und sie hassen Braun. Fragt man nach der unbeliebtesten Farbe, so behauptet Braun den unangefochtenen Spitzenplatz, bei Mann und Frau. Nebenbei: Auch Violett ist ziemlich unbeliebt (Platz 2 bei den Männern, Platz 3 bei den Frauen) und wird dennoch ebenfalls schon als Trendfarbe gehandelt, wenn auch erst 0,6 Prozent der Neuzulassungen Violett sind. Aber so hat das mit Braun ja auch angefangen. Wie kann man sich diesen Erfolg erklären – und wichtiger: Was kann man dagegen tun?

Ökologie, Komfortbewusstsein und der Wunsch nach Individualität verschmelzen – und heraus kommen braune Farbtöne

Schuld sind der Wiederverkaufswert und die gewachsene Bedeutung von Umweltthemen, erzählt man sich heute, obwohl doch Dupont neue Lackiermethoden für ursächlich hielt. Aber es gilt wohl alles. So vertraute Michael Golek vom Lackhersteller BASF Coatings in Münster bereits 2009 dem Online-Ableger der Rheinischen Post an: „Ökologie ist inzwischen immer mehr Menschen wichtig. Allerdings hat sich das Verständnis gewandelt.“ Umweltaspekte seien keine Randthemen mehr und außerdem werde Ökologie längst nicht mehr mit “Reduktion und Verzicht” assoziiert. Ökologisch kann heute auch luxuriös und elegant daherkommen. Das zeige sich beispielsweise, so sieht das Golek, „an den neuen Brauntönen, die häufig einen Metallic- oder anderen markanten Effekt haben“.

Mercedes-Benz SLS AMG "Desert-Gold"

Mercedes-Benz SLS AMG “Desert-Gold”

Egal welche, die richtige Farbe muss ein Auto haben: Trendfarben sind ein schlagendes Verkaufsargument. Das wissen die Hersteller, denn Marktforscher haben schon vor längerem herausgefunden, „dass mehr als 40 Prozent der Autokäufer die Marke wechseln würden, wenn ihr Hersteller nicht den gewünschten Farbton im Programm hat“. Das sagte BASF-Farbdesignerin Eva Höfli zumindest der „Welt“. Und da man sich vom Wettbewerb absetzen müsse, wie Marketingexperten unumwunden zugeben, sind die Kreativen von München bis Wolfsburg auf der Suche nach markanten Farbnamen. Marrakeschbraun metallic kommt ein BMW daher, in Desert Gold präsentiert sich der Mercedes AMG SLS – die Vielfalt der Brauntöne scheint schier unerschöpflich.

BMW X1 in Marakesch Braun

BMW X1 in Marakesch Braun


Die richtigen Farben sind zudem sehr wichtig beim Wiederverkauf. So ist es kein Zufalll, das vor allem Firmen-Flotten in gedeckten Tönen Schwarz, Grau und Silber daherkommen. Denn hier herrscht die Ansicht, dass sich so höhere Preise beim Wiederverkauf erzielen lassen. Leider gehört auch Braun zunehmend dazu – obwohl doch Frank Zappa bereits 1967 sang: „Brown shoes don’t make it“ – neither do brown cars, möchten wir ergänzen.

Gibt es Hoffnung? Ja, Seat-, Alfa- und Lancia-Fahrer zeigen Mut zur Farbe und generell setzten sich bei Spaß- oder Single-Autos neue, auffällige Farben durch. Und schließlich: Jeder Trend geht mal zu Ende, einfach, weil wir uns an diesen Farben satt gesehen haben.

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